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16
Juni
2011

Internationale Tagung der ÖDA

vier tage workshops, vorträge, lieder & literatur im zeichen des dialekts

Internationale Tagung der ÖDA

Nach Jubiläen wie 20 Jahre ÖDA (2008) und 20 Jahre MORGENSCHTEAN (2009/2010) wollen sich die Österreichischen DialektautorInnen auf die nächsten 20 Jahre vorbereiten. Wie geht es weiter mit dem Dialekt? Gibt es ihn noch? Wohin entwickelt er sich? – Im Rahmen einer internationalen Tagung loten Vorträge und Workshops die widerständigen, regionalen und sozialen Aspekte und Potentiale von Dialekten und Minderheitensprachen aus. Im begleitenden Kulturprogramm  wird sich ein breites Spektrum der lebenden und lebendigen Dialekten Gehör verschaffen.
widerständig regional – programm in progress
WANN - WAS - WO - laufend aktuellste Informationen hier:
PROGRAMM & ORTE

widerständig regional  - im brick 5; 1150 Wien, Fünfhausgasse 5
Ab 12.00 Uhr: Eintreffen und Begrüßung mit Kaffee & Kuchen
14.00-17.00  Uhr: Vorträge und Diskussionen
Eveline Wandl-Vogt (Österr. Akademie der Wissenschaften):
dialektlexikographie 2011. - per mausklick von großvaters zettelsammlung zu urgroßmutters geschichten auf google maps.
Janko Malle (Slowenischer Kulturverband Celovec/Klagenfurt):
Anmerkungen zu ethnischen und regionalen Identitätsproblemen in Kärnten.- vertreten durch Helena Verdel (Stv. Vorsitzende des Slowenischen Kulturverbandes)
Ana Schoretits (Autorin und Übersetzerin Cogrštof/Zagersdorf, Bgld.):
Stonoga – oder: wie bewegt sich der Tausendfüßler auf Kroatisch. - Der Spagat zwischen Erst- und Zweitsprache.
20.00 Uhr: Lesungen und Musik
MIT Andreas Julius Fasching, Erich Schirhuber, Markus Manfred Jung, Ana Schoretits, Eva Dité

Sa. 18.6. 2011
10.00-17.00 Uhr: Kleines Buffet-  vegetarisch mit saisonalen Produkten aus der Region
10.00-12.30 Uhr: Vorträge und Diskussionen
Rudolf Muhr (Uni Graz):
Sprache und „Dialekt“ in Österreich der Gegenwart.
Markus Manfred Jung (Autor, D.):
Von der Dialektdichtung zur Mund-Art. Gewinn oder Verlust?  - 40 Jahre (Fehl-) Entwicklung in der badisch-alemannischen Dialektszene.
15.30-17.30 Uhr: Vorträge und Diskussionen
Andreas Nastl (Autor, NÖ):
Dialekt  - Wandel – Zeit. - Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Dialektes.
Thomas Northoff (Graffitiforscher, Wien):
Ihr könnt mich mal! – Schriftolektisches in Text-Graffiti.
20.00 Uhr: Lesungen und Musik
MIT Andreas Nastl, Josef Graßmugg, Paul Pizzera, Elis Rotter, Wolfgang Kühn
ORT: brick-5, 1150 wien, fünfhausgasse 5 (im hof rechts) http://www.brick-5.at
eintritt frei – um anmeldung wird gebeten:   Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

widerständig regional - in der ÖDA, 1060 Wien, Gumpendorferstr. 15/13
18.6.2011, 14.00 Uhr: Führung durch die ÖDA
MIT Erich Schirhuber. Für alle TN der Tagung und des Workshops DIALEKTDICHTUNG.
18.6 & 19.6. 2011: Schreibworkshop DIALEKTDICHTUNG
in Kooperation mit dem Berufsverband österreichischer SchreibpädagogInnen (BOeS)
Sa. 18.6. 2011: 10.00 – 18.00 Uhr,  So. 19.6. 2011: 10.00 – 16.00 Uhr
MIT  Doris Nußbaumer
ORT: ÖDA-Bibliothek, 1060 Wien, Gumpendorferstr. 15/13
Kosten: € 140,- / Für Mitglieder des BOeS € 112,-
Information und Anmeldung: www.schreibpaedagogik.com

15
Juni
2011

Drei Schreibwerkstätten im Juni 2011

Die Basis.Kultur Wien – Fachgruppe Literatur lädt ein

Mittwoch 15.6.2011, 18.00 – 21.00 Uhr
Wörterleuchten – Schreibwerkstatt für junge Menschen - Veranstaltet vom Klub der Literaturfreunde und Autoren mit den AutorInnen Susanne Müller, Elisabeth Klar und Semier Insayif

Donnerstag 16.6. 2011, 18.00 – 21.00 Uhr
Der Dialekt lebt  – Hip Hop, Echtschreibung und spontanes Dichten - Veranstaltet von den Österreichischen DialektautorInnen (ÖDA) - Mit der Poetin, Rapperin und Slammasterin Mieze Medusa, der Autorin und Ö.D.A.-Vorsitzenden El Awadalla und der Autorin und Schreibpädagogin Doris Nußbaumer.

Freitag 17.6.2011, 18.00 – 21.00 Uhr

Wienerisch – Erarbeiten eines Textes zum Thema „Wien heute“ - Veranstaltet vom Kulturverein Saba mit den Autoren André Blau, Helmut Korherr und Flo Staffelmayr

ORT: 1150 Wien., Basis.Kultur.Raum, Burjanplatz 1
Eintritt frei
Anmeldung: 01/9822461/131, Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

16
Juli
2010

Bernhard C. Bünker

14.8.1948 – 16.7.2010

Bernhard C. Bünker
Einer der wichtigsten Erneuerer der Dialektliteratur in den 1970 und 1980er Jahren und Mitbegründer der Ö.D.A., Bernhard C. Bünker, ist vor einem Jahr von uns gegangen. Die Österreichischen Dialektautorinnen und Autoren trauern um den geschätzten Kollegen Seawas! Srečno! „RAAAH“ – für Bernhard C. Bünker (1948 – 2010) Infolge der politischen und gesellschaftlichen Veränderungen durch die 1968er-Bewegung entwickelte sich Anfang der 1970er Jahre in Österreich die Dialektliteratur zu einer wesentlichen Ausdrucksform. Einer der wichtigsten und konsequentesten dieser jungen Dichter war Bernhard C. Bünker. Für ihn manifestierte sich im Dialekt zugleich Heimat. Nämlich ein Heimatbegriff, den es galt, neu zu definieren, um den Beigeschmack jeglicher Nazi-Terminologie abzuwerfen, bloß keine „Heimatdümmelei“ betreiben, weder Idylle noch Verlogenheit. Überaus wichtig war ihm daher die Abgrenzung von der „Mundartdichtung“, bei der er all diese Heucheleien und Anbiederungen spürte. Keine Mundart, sondern Dialekt! In den Liedermachern erkannte er Verbündete, weshalb er oftmals mit Musikern zusammengearbeitet hat. Selbstbewusst nannte Bernhard Bünker sich „Heimatdichter“. Bereits in seinem ersten Gedichtband „De ausvakaufte Hamat“ (1975) thematisierte er Auswüchse des Tourismus, die Zerstörung der Umwelt, Menschenverachtung und Geldgier. Als evangelischer Religionslehrer verdiente er nicht nur sein Brot, setzte sich vielmehr dafür ein, auf Gerechtigkeit und Demokratie aufmerksam zu machen. Nachdem er entdeckt hatte, dass ein bekannter Neonazi bei derselben Bank wie er ein Konto hatte, schrieb er dem Bankchef einen Brief, in dem er darlegte, dass er nicht von einem Institut vertreten werden möchte, das sich auch um die Finanzen eines Neonazis kümmert. Bernhard kannte keine Kompromisse. Allemal schrieb er mit seiner Schreibmaschine, einen Computer hat er zeitlebens verweigert. Ebenso eine Lesung in Kärnten, solange die zweisprachigen Ortstafeln nicht endlich entsprechend dem Österreichischen Staatsvertrag umgesetzt werden. Er lasse sich nicht missbrauchen und vor einen Karren spannen, der seiner Gesinnung widerspreche. Nur wenige Kärntner Künstler und Schriftsteller agierten derart radikal. In Kärntner Radenthein aufgewachsen, lebte er viele Jahre im „Wiener Exil“, bis er sich am Kampstausee ansiedelte, wo er schließlich als Fischereiaufseher fungierte. In seiner Wiener Wohnung habe ich die besten Forellen meines Lebens gegessen. Neben seiner Vorliebe für Ernest Hemingway, war die Fischerei seine Leidenschaft. Viele Jahre war Bernhard der beste Abnehmer meiner leeren Tabakdosen, als ich ausschließlich Pfeife rauchte. Wenn ich nicht mehr wusste, wohin damit, denn wegwerfen widerstrebte mir, ein Anruf, ein Treffen und schon waren sie allesamt bei ihm gelandet. Die Dosen verwendete er für seine Köder. Die Angelhaken mit den „Fliegen“ bastelte er selbst. Stolz zeigte er mir, wie welche „Fliege“ für welchen Fisch auszusehen hatte und warum dieser oder jener Fisch darauf am besten beiße. Es war, als würde ein Franzose einem Norweger die Feinheiten des Weinanbaus näherbringen wollen. Einzig das „Brittelmaß“ ist mir im Gedächtnis geblieben, jene Größe, ab der man einen Fisch fangen darf. Als mir eine zeitlang ein Versandhändler für Fischereibedarf Prospekte zusandte, ahnte ich sogleich woher der Wind wehte. Handwerklich war Bernhard sehr geschickt. Für einen Neffen hat er die Figuren eines Schachspiels aus Blei gegossen und sie selbst bemalt. Eine pingelige Arbeit, die große Geduld erfordert. Bernhard war ein Autor, der für seine Literatur ausschließlich den Dialekt benützte. Auch diesbezüglich war er konsequent. Als sich vom IDI (Internationalen Dialektinstitut) das ÖDA (Österreichische Dialekt Archiv) abspaltete, übernahm Bernhard die Funktion des Präsidenten. Die Folge war die Gründung der Dialektzeitschrift „Morgenschtean“. Viele Jahre davor hatte er den legendären „Stammtisch Kovacic“ ins Leben gerufen beim gleichnamigen Wirten in Währing. Dialektdichter trafen sich zum Gespräch, zum Vorlesen eigener Texte. Den Ofen des Extrazimmers beheizte stets Bernhard. Gemeinsam haben wir die „Dialekt-Anthologie 1970–1980“ herausgegeben, was eine Folge unserer Reise nach München war, wo wir im Rahmen des Deutschen Schriftstellerverbandes 1980 eine Woche lang lesend in Vorstadtbeisln und Bezirksmuseen unterwegs waren. Manche warfen ihm vor, dass er getrunken hat. Ja, hat er, aber daran ist er nicht gestorben. Durch eine Bluttransfusion wurde er mit Hepatitis C infiziert. Vor drei Monaten ein Anruf auf meiner Mailbox. „Ruf mich zurück.“ Als ich Bernhard anrief: „Ich möchte mich von dir verabschieden. Wir sehen uns nicht mehr. Als ich bei deiner Lesung war, hast du ja gesehen, dass es mir schlecht geht. Leberkrebs im Endstadium. Der Leichenschmaus wird im Wirtshaus Huber sein. Es wird Kalbsnierdln geben.“ Das war seine Leibspeise. Unsere Begrüßung und Verabschiedung war stets gleich: „Raaah.“ Entnommen der Sprechblase eines Comics, den wir in unsere Anthologie aufgenommen hatten. Weder Bernhard noch ich waren zu einem letzten „Raaah“ imstande. Deshalb brülle ich dir so laut ich kann nach: „Raaah!!“ Manfred Chobot, 7/2010

Neuigkeiten

  • Internationale Tagung der ÖDA

    vier tage workshops, vorträge, lieder & literatur im zeichen des dialekts

    Nach Jubiläen wie 20 Jahre ÖDA (2008) und 20 Jahre MORGENSCHTEAN (2009/2010) wollen sich die Österreichischen DialektautorInnen auf die nächsten 20 Jahre vorbereiten. Wie geht es weiter mit dem Dialekt? Gibt es ihn noch? Wohin entwickelt er sich? – Im Rahmen einer internationalen Tagung loten Vorträge und Workshops die widerständigen, regionalen und sozialen Aspekte und Potentiale von Dialekten und Minderheitensprachen aus. Im begleitenden Kulturprogramm  wird sich ein breites Spektrum der lebenden und lebendigen Dialekten Gehör verschaffen.
    widerständig regional – programm in progress
    WANN - WAS - WO - laufend aktuellste Informationen hier:
    PROGRAMM & ORTE

    widerständig regional  - im brick 5; 1150 Wien, Fünfhausgasse 5
    Ab 12.00 Uhr: Eintreffen und Begrüßung mit Kaffee & Kuchen
    14.00-17.00  Uhr: Vorträge und Diskussionen
    Eveline Wandl-Vogt (Österr. Akademie der Wissenschaften):
    dialektlexikographie 2011. - per mausklick von großvaters zettelsammlung zu urgroßmutters geschichten auf google maps.
    Janko Malle (Slowenischer Kulturverband Celovec/Klagenfurt):
    Anmerkungen zu ethnischen und regionalen Identitätsproblemen in Kärnten.- vertreten durch Helena Verdel (Stv. Vorsitzende des Slowenischen Kulturverbandes)
    Ana Schoretits (Autorin und Übersetzerin Cogrštof/Zagersdorf, Bgld.):
    Stonoga – oder: wie bewegt sich der Tausendfüßler auf Kroatisch. - Der Spagat zwischen Erst- und Zweitsprache.
    20.00 Uhr: Lesungen und Musik
    MIT Andreas Julius Fasching, Erich Schirhuber, Markus Manfred Jung, Ana Schoretits, Eva Dité

    Sa. 18.6. 2011
    10.00-17.00 Uhr: Kleines Buffet-  vegetarisch mit saisonalen Produkten aus der Region
    10.00-12.30 Uhr: Vorträge und Diskussionen
    Rudolf Muhr (Uni Graz):
    Sprache und „Dialekt“ in Österreich der Gegenwart.
    Markus Manfred Jung (Autor, D.):
    Von der Dialektdichtung zur Mund-Art. Gewinn oder Verlust?  - 40 Jahre (Fehl-) Entwicklung in der badisch-alemannischen Dialektszene.
    15.30-17.30 Uhr: Vorträge und Diskussionen
    Andreas Nastl (Autor, NÖ):
    Dialekt  - Wandel – Zeit. - Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Dialektes.
    Thomas Northoff (Graffitiforscher, Wien):
    Ihr könnt mich mal! – Schriftolektisches in Text-Graffiti.
    20.00 Uhr: Lesungen und Musik
    MIT Andreas Nastl, Josef Graßmugg, Paul Pizzera, Elis Rotter, Wolfgang Kühn
    ORT: brick-5, 1150 wien, fünfhausgasse 5 (im hof rechts) http://www.brick-5.at
    eintritt frei – um anmeldung wird gebeten:   Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

    widerständig regional - in der ÖDA, 1060 Wien, Gumpendorferstr. 15/13
    18.6.2011, 14.00 Uhr: Führung durch die ÖDA
    MIT Erich Schirhuber. Für alle TN der Tagung und des Workshops DIALEKTDICHTUNG.
    18.6 & 19.6. 2011: Schreibworkshop DIALEKTDICHTUNG
    in Kooperation mit dem Berufsverband österreichischer SchreibpädagogInnen (BOeS)
    Sa. 18.6. 2011: 10.00 – 18.00 Uhr,  So. 19.6. 2011: 10.00 – 16.00 Uhr
    MIT  Doris Nußbaumer
    ORT: ÖDA-Bibliothek, 1060 Wien, Gumpendorferstr. 15/13
    Kosten: € 140,- / Für Mitglieder des BOeS € 112,-
    Information und Anmeldung: www.schreibpaedagogik.com

  • Drei Schreibwerkstätten im Juni 2011

    Die Basis.Kultur Wien – Fachgruppe Literatur lädt ein

    Mittwoch 15.6.2011, 18.00 – 21.00 Uhr
    Wörterleuchten – Schreibwerkstatt für junge Menschen - Veranstaltet vom Klub der Literaturfreunde und Autoren mit den AutorInnen Susanne Müller, Elisabeth Klar und Semier Insayif

    Donnerstag 16.6. 2011, 18.00 – 21.00 Uhr
    Der Dialekt lebt  – Hip Hop, Echtschreibung und spontanes Dichten - Veranstaltet von den Österreichischen DialektautorInnen (ÖDA) - Mit der Poetin, Rapperin und Slammasterin Mieze Medusa, der Autorin und Ö.D.A.-Vorsitzenden El Awadalla und der Autorin und Schreibpädagogin Doris Nußbaumer.

    Freitag 17.6.2011, 18.00 – 21.00 Uhr

    Wienerisch – Erarbeiten eines Textes zum Thema „Wien heute“ - Veranstaltet vom Kulturverein Saba mit den Autoren André Blau, Helmut Korherr und Flo Staffelmayr

    ORT: 1150 Wien., Basis.Kultur.Raum, Burjanplatz 1
    Eintritt frei
    Anmeldung: 01/9822461/131, Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

  • Bernhard C. Bünker

    14.8.1948 – 16.7.2010

    Einer der wichtigsten Erneuerer der Dialektliteratur in den 1970 und 1980er Jahren und Mitbegründer der Ö.D.A., Bernhard C. Bünker, ist vor einem Jahr von uns gegangen. Die Österreichischen Dialektautorinnen und Autoren trauern um den geschätzten Kollegen Seawas! Srečno! „RAAAH“ – für Bernhard C. Bünker (1948 – 2010) Infolge der politischen und gesellschaftlichen Veränderungen durch die 1968er-Bewegung entwickelte sich Anfang der 1970er Jahre in Österreich die Dialektliteratur zu einer wesentlichen Ausdrucksform. Einer der wichtigsten und konsequentesten dieser jungen Dichter war Bernhard C. Bünker. Für ihn manifestierte sich im Dialekt zugleich Heimat. Nämlich ein Heimatbegriff, den es galt, neu zu definieren, um den Beigeschmack jeglicher Nazi-Terminologie abzuwerfen, bloß keine „Heimatdümmelei“ betreiben, weder Idylle noch Verlogenheit. Überaus wichtig war ihm daher die Abgrenzung von der „Mundartdichtung“, bei der er all diese Heucheleien und Anbiederungen spürte. Keine Mundart, sondern Dialekt! In den Liedermachern erkannte er Verbündete, weshalb er oftmals mit Musikern zusammengearbeitet hat. Selbstbewusst nannte Bernhard Bünker sich „Heimatdichter“. Bereits in seinem ersten Gedichtband „De ausvakaufte Hamat“ (1975) thematisierte er Auswüchse des Tourismus, die Zerstörung der Umwelt, Menschenverachtung und Geldgier. Als evangelischer Religionslehrer verdiente er nicht nur sein Brot, setzte sich vielmehr dafür ein, auf Gerechtigkeit und Demokratie aufmerksam zu machen. Nachdem er entdeckt hatte, dass ein bekannter Neonazi bei derselben Bank wie er ein Konto hatte, schrieb er dem Bankchef einen Brief, in dem er darlegte, dass er nicht von einem Institut vertreten werden möchte, das sich auch um die Finanzen eines Neonazis kümmert. Bernhard kannte keine Kompromisse. Allemal schrieb er mit seiner Schreibmaschine, einen Computer hat er zeitlebens verweigert. Ebenso eine Lesung in Kärnten, solange die zweisprachigen Ortstafeln nicht endlich entsprechend dem Österreichischen Staatsvertrag umgesetzt werden. Er lasse sich nicht missbrauchen und vor einen Karren spannen, der seiner Gesinnung widerspreche. Nur wenige Kärntner Künstler und Schriftsteller agierten derart radikal. In Kärntner Radenthein aufgewachsen, lebte er viele Jahre im „Wiener Exil“, bis er sich am Kampstausee ansiedelte, wo er schließlich als Fischereiaufseher fungierte. In seiner Wiener Wohnung habe ich die besten Forellen meines Lebens gegessen. Neben seiner Vorliebe für Ernest Hemingway, war die Fischerei seine Leidenschaft. Viele Jahre war Bernhard der beste Abnehmer meiner leeren Tabakdosen, als ich ausschließlich Pfeife rauchte. Wenn ich nicht mehr wusste, wohin damit, denn wegwerfen widerstrebte mir, ein Anruf, ein Treffen und schon waren sie allesamt bei ihm gelandet. Die Dosen verwendete er für seine Köder. Die Angelhaken mit den „Fliegen“ bastelte er selbst. Stolz zeigte er mir, wie welche „Fliege“ für welchen Fisch auszusehen hatte und warum dieser oder jener Fisch darauf am besten beiße. Es war, als würde ein Franzose einem Norweger die Feinheiten des Weinanbaus näherbringen wollen. Einzig das „Brittelmaß“ ist mir im Gedächtnis geblieben, jene Größe, ab der man einen Fisch fangen darf. Als mir eine zeitlang ein Versandhändler für Fischereibedarf Prospekte zusandte, ahnte ich sogleich woher der Wind wehte. Handwerklich war Bernhard sehr geschickt. Für einen Neffen hat er die Figuren eines Schachspiels aus Blei gegossen und sie selbst bemalt. Eine pingelige Arbeit, die große Geduld erfordert. Bernhard war ein Autor, der für seine Literatur ausschließlich den Dialekt benützte. Auch diesbezüglich war er konsequent. Als sich vom IDI (Internationalen Dialektinstitut) das ÖDA (Österreichische Dialekt Archiv) abspaltete, übernahm Bernhard die Funktion des Präsidenten. Die Folge war die Gründung der Dialektzeitschrift „Morgenschtean“. Viele Jahre davor hatte er den legendären „Stammtisch Kovacic“ ins Leben gerufen beim gleichnamigen Wirten in Währing. Dialektdichter trafen sich zum Gespräch, zum Vorlesen eigener Texte. Den Ofen des Extrazimmers beheizte stets Bernhard. Gemeinsam haben wir die „Dialekt-Anthologie 1970–1980“ herausgegeben, was eine Folge unserer Reise nach München war, wo wir im Rahmen des Deutschen Schriftstellerverbandes 1980 eine Woche lang lesend in Vorstadtbeisln und Bezirksmuseen unterwegs waren. Manche warfen ihm vor, dass er getrunken hat. Ja, hat er, aber daran ist er nicht gestorben. Durch eine Bluttransfusion wurde er mit Hepatitis C infiziert. Vor drei Monaten ein Anruf auf meiner Mailbox. „Ruf mich zurück.“ Als ich Bernhard anrief: „Ich möchte mich von dir verabschieden. Wir sehen uns nicht mehr. Als ich bei deiner Lesung war, hast du ja gesehen, dass es mir schlecht geht. Leberkrebs im Endstadium. Der Leichenschmaus wird im Wirtshaus Huber sein. Es wird Kalbsnierdln geben.“ Das war seine Leibspeise. Unsere Begrüßung und Verabschiedung war stets gleich: „Raaah.“ Entnommen der Sprechblase eines Comics, den wir in unsere Anthologie aufgenommen hatten. Weder Bernhard noch ich waren zu einem letzten „Raaah“ imstande. Deshalb brülle ich dir so laut ich kann nach: „Raaah!!“ Manfred Chobot, 7/2010

Ö.D.A. Morgenschtean

Morgenschtean auf der KriLit '11

05-09-2011
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