6 Fragen an Wolfgang Kühn


Wolfgang Kühn 2021, © Petra Halbmayer


Warum Literatur?

Sprache hat mich schon immer fasziniert, das Spielen, Jonglieren, Schnitzen, Feilen. Sprache ist ein leichtes Gepäcksstück, das trag ich immer bei mir, dazu einen Block und meine Füllfeder.


Warum Dialektliteratur?

Dialekt ist für mich eine Art Abkürzung der Gedanken zur Hochsprache. Mit Dialekt lässt sich vieles direkter, ehrlicher, schnörkelloser sagen und schreiben.

Gibt es Vorbilder?

Vorbilder in dem Sinn gibt es keine. Vorbilder bringen einen von sich selbst ab, hat einmal wer behauptet. Es gibt Autorinnen und Autoren, die ich bewundere – manche für das, was sie schreiben, manche dafür, wie sie schreiben und manche dafür, wie sie sind.

Was liest du gerade?

Derzeit parallel „Schneller, höher und so weiter“ von Markus Köhle und Peter Clar und „Aves / Vögel“. Charakterköpfe. Texte von Elke Heidenreich & Urs Heinz Aerni. Zuvor war es „Tahiti Utopia“ von Michal Hvorecký und davor „Die Gegenstimme“ von Thomas Arzt – quer durch den Gemüsegarten, wie man so schön sagt.


An welches Ereignis denkst du besonders gerne zurück?

An die letzten Konzerte vor diesem schier immerwährenden Lockdown, die sich als ein Ereignis verstehen lassen. Mein Freund, der Haubenkoch Karl Schwillinsky, hat letzten Herbst drei Wochenende lang die Arche Noah in Schiltern kulinarisch und kulturell bespielt. Eröffnet haben Irmie Vesselsky und ich als VESSELSKY // KÜHN Freitagabend mit einem unglaublich stimmungsvollen Open Air Konzert bei plus neun Grad, zwei Tage später durfte ich bei der Sonntagsmatinee mit Daniel Glattauer und den Strottern in der Gastro mithelfen und zwei Wochen später, ebenfalls bei klirrender Kälte, mit ZUR WACHAUERIN vor der traumhaften Kulisse eines kitschig aufgehenden Vollmondes das tapfer ausharrende Publikum beglücken. Klingt wie ein Leben aus längst vergangener Zeit, seither bekanntlich kulturelle Finsternis.

Woran arbeitest du derzeit?

Ich feile an meinen Kofferwörtern, in etwa 120 einseitige Geschichten zum Thema „Nomen est omen“ oder „Neben der Spur“, über den Titel der Sammlung bin ich mir noch nicht ganz im Klaren. Da stelle ich leicht entrückte Menschen vor, wie beispielsweise Gänseleberhard, Dilemma, Käferdinand, Karfiolga, Bibliothekarin oder Sapperlotte.

Es sollte dieser Tage auch etwas Längeres erscheinen, aber solange sich nichts präsentieren lässt, ist es mir lieber, es bleibt im Talon. ☺



(2. Mai 2021)



FRÜHLING IS


„eicha

flieda

bliaht

so

schee!“,

hot

de

mitzi

tant

beim

letztn

besuch

gschwärmt,

„und

er

riacht

genau

so

wia

mei

klo

schpray!“





****

WAHLDEBAKEL


de

schtimmen

san

vaschtummt

und

de

schtummen

san

vaschtimmt



****



WOS SI A VIECH SO DENKT (29)


in

maunche

famülien

bin

i

da

anzige,

der

üwan

töllaraund

ausseschaut,

hot

si

da

weihnochtskarpf

denkt



(alle aus:

Wolfgang Kühn: ana hot imma des bummerl“.

STOAHOATverlag 2019.

auch > HIER erhältlich)








Literatur von Wolfgang Kühn ist auch in folgenden Ausgaben des MORGENSCHTEAN erschienen:

U66-67, U64-65, U50-51, U44-45, U38-39,U13, U5



Kurzbiografie (Stand 02 .05. 2021)


Geboren 1965 in Baden, lebt in Zöbing / Langenlois.


1992 DUM – Das Ultimative Magazin mitbegründet, ebenso wie 1999 das Int. Kulturenfestival „Literatur & Wein“.

Seit 2002 erfolgreich unterwegs mit dem Projekt „Zur Wachauerin“ und den CDs „Kalmuk“ (2003), „Live @ Glatt & Verkehrt“ (2006), „in meina wöd“ (2010) und „ka gmahde wiesn“ (2016). „Zur Wachauerin“ wurde 2016 in Passau mit dem Kleinen Scharfrichterbeil (3. Platz) ausgezeichnet.


2006 erschien in der Edition VAbENE der Mundart-Lyrikband „Des Wetta wiad betta“, im Steinverlag 2010 der Band „in meina wöd“, 2011 das Hörbuch „aus meina wöd“ und 2014 der Band „wos si a viech so denkt“.

Jüngste Veröffentlichungen: „fostviecha“ (gemeinsam mit Andreas Nastl), Stoahoat Verlag 2015, „ana hot imma des bummerl“, Stoahoat Verlag 2019.

2021 erscheint in der Bibliothek der Provinz der Roman „Kurzenbach“. Für einen Auszug daraus erhielt er das Hans Weigel Literaturstipendium des Landes NÖ.

Herausgeber der Anthologien „Mein Waldviertel“ (2014), „Mein Mostviertel“ (2015) und „Mein Weinviertel“ (2016), „Mein Industrieviertel“ (2017), „Meine Donau“ (2018), „auftauchen – Neue Literatur aus NÖ“ (2019) und „Grenzenlos?“ (2020), alle Literaturedition NÖ.

2016 erschien die Debüt-CD „wauns amoi so aufaungt“ des Duos VESSELSKY // KÜHN, eine Zusammenarbeit mit der Songwriterin Irmie Vesselsky, 2019 folgte die CD „wia waun“.